Die SEER im Wandel der Zeit - aktuelle CD „Hoffen. Glauben, Liab´n" erschien am 3.7.2009 – Sony Music
Der See liegt zwischen den Bergen wie ein Spiegel. Kein
Kräuseln an der Wasseroberfläche, kein Windstoß der
Ahnungen auf Kommendes heran weht. Aus den dunklen Wolken
bahnt sich ein Sonnenstrahl seinen Weg. Ist es das letzte
Aufbäumen der Sonne vor dem Sturm oder soll es den beiden
Männern, die mit ihrem kleinen Boot am See rudern sagen:
‚alles bleibt gut‘? Es ist der Moment des Glaubens an
eine positive Entwicklung, der in diesem Moment in dem
kleinen Boot herrscht und der allgemein ‚Hoffnung‘
genannt wird. Hoffen auf das Ausbleiben des Sturms, kein
Kentern. Gut nach hause kommen.
Diese grafisch dargestellte Szene auf dem neuen CD-Cover
der SEER, sie sagt mehr über den musikalischen Inhalt des
Albums aus, als jeder Werbetext. Die CD trägt den Titel
‚hoffen, glauben, liab’n‘ und das ist nicht nur ein,
auf dem Album zu hörender Song, sondern die Gruppe
berührt damit auch die ‚drei christlichen Tugenden‘:
Glaube, Liebe, Hoffnung.
Die SEER im Wandel
der Zeit. Der Albumtitel lässt erahnen, dass die
vergangenen beiden Jahre, also die Zeit seit der CD ‚1
Tog‘, eine Zeit der intensiven Beschäftigung mit
derselben und ihren Einfluss auf die Musik der SEER war.
Fred Jaklitsch, Autor, Komponist und jener Mann, der die
Wurzeln und den Spirit der 9-köpfigen Formation pflegt
und prägt, überrascht daher mit 17 neuen Titeln, die
sich in ihrer Darstellung von der Discografie der SEER
umso deutlicher unterscheiden, je öfter man das Album
hört. Ja, da sind die unverkennbaren Harmonien, der
Songaufbau, die Stimmen, aber die Arrangements haben sich
etwas verändert. Ist es mehr reine Handarbeit als
früher? Ist die Technik im Studio erst dann zum Tragen
gekommen, als die Tonspuren schon von den Musikern
bespielt waren?
Die CD ist auf ihre Art rauher. Sie hat so etwas wie eine
knorrige Herzlichkeit, was mit Sicherheit auch daran
liegt, dass die Band reifer geworden ist. Teenie-Stars
waren die SEER ja nie, aber in 13 Jahren läuft schon viel
Wasser in den See und beim Wein ist es ja auch nicht
anders. In der Jugend ungestüm, später zu Charakter und
Milde gereift und auf eine Art offen für den Blick aufs
Wesentliche. Und genau da beginnt der Zeitgeist seine
Spuren zu hinterlassen. Ja, diese Zeit, dieses Heute ist
anders als noch vor zwei Jahren und ja, all das was
geschieht hat Auswirkungen auf die Musiker, deren Musik
und auf jene Menschen die diese gerne hören. Pop-Musik
war seit jeher ein Spiegel der Zeit und Musiker hatten
immer schon Antennen für Veränderungen, die schließlich
in die Kunst einflossen. Im Fall der SEER ist dies ein
hörbarer Schritt, tiefer in die manuelle Musikwelt, die
gereiftere Songs hervorbringt. Möglicherweise ist nicht
jeder Titel ein Hit, aber das muss er gar nicht sein,
dafür zeigen die Lieder Tiefgang, Emotionen. Trockene
Riffs statt Bratgitarre, Klavier statt omnipräsenter
Keyboardsounds.
Der Titelsong ist ein Juwel
für sich und wird sich für Radioleute mit Sicherheit
erst Schritt für Schritt offenbaren, aber das ist gut so.
Dieses Lied darf einen nicht anspringen sondern soll
wachsen dürfen wie die Knospe zur Blüte. Oder der Titel
‚Oma‘. Berührend wie Sassy Holzinger sich stimmlich
des Themas annimmt. Ähnlich und so gar nicht spekulativ
angelegt ist der Song ‚I konn nit mit, i konn nit ohne
di‘. Es ist ein Liebeslied, aber eines, das sich ein
unkonventionelles Intro erlaubt. Es fängt anders an als
man es gewohnt ist, was mit sich bringt, dass man gerne
und neugierig weiter hört.
Gäbe es so etwas wie einen programmierten Hit auf der CD,
dann mit Sicherheit der Song ‚Jodl Mi‘. Das Lied ist
kein Schenkelklopfer sondern ein Kracher. Das ist ein
großer Unterschied. Schenkelklopfer sind Schunkler, die
wie Wellen immer wieder kommen und zwar so lange bis man
freiwillig am Wellenkamm die Flucht ergreift. Krachern
kann man sich nicht entziehen. Sie bauen auf, reißen mit
und bieten am Schluss einen wirklichen Schluss. Nicht
dieses Auslaufen im Tonspuren-Nirvana, sondern so wie
hier, einen kräftigen Tuscher!
17 neue Lieder. Sie alle hier aufzuzählen wäre eine
Vorwegnahme des eigenen Entdeckens. 17 Lieder, die den
Zeitgeist in ihrer Art atmen. Es ist die Hoffnung, die als
erstes Wort den Albumtitel anführt. Die Hoffnung ist eine
emotionale, positive Ausrichtung auf die Zukunft. Glauben
und die Liebe folgen im Albumtitel der Hoffnung. Hoffen,
glauben und liab’n sind Verben, also ‚Tun-Wörter‘.
Und genau darin liegt die Botschaft: Tut es! Man braucht
nur genau hinzuhören.
Quelle: -az- / Julia Griese Ariola
Veranstaltungshighlight 1.8.2009 / 11. Seer Open Air in Grundlsee



