Unter dem Motto „nowHere“ luden newthinking communications und der Spreeblick Verlag vom 14.-16. Mai zum mittlerweile vierten Mal in den Berliner Friedrichstadtpalast zur re:publica ein. Insgesamt über 2500 Besucher nahmen an der Konferenz über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft teil und debattierten über aktuelle Themen wie die Monetarisierung von Blogs, Netzneutralität, revolutionäre Internetprojekte und die Privatsphäre im Netz.
Der Berliner Journalist Philip Banse, der bereits für die dctp.tv-Themenschleifen „Meinungsmacher“ und „Digital, Life, Design“ durch die Gespräche führte, interviewte im Friedrichstadtpalast insgesamt 15 Redner und mit Markus Beckedahl einen Mitorganisator der re:publica 2010.
Folgende Filme befinden sich im Einzelnen in der Themenschleife „re:publica:2010“ auf dctp.tv:
Die Netzpolitik-Konferenz
Markus Beckedahl über die re:publica 2010
Monate voller Arbeit, jetzt volles Haus - Markus Beckedahl
hat die re:publica organisiert. Auf einem Rundgang durch
den Friedrichstadt-Palast gibt Beckedahl einen Überblick
über die Netzpolitik-Konferenz, die mal ein
Blogger-Treffen war.
Welche Twitter-Revolution?
Keine Liberalisierung autoritärer Regime.
Twitter-Revolution - Evgeny Marozov hat diesen Begriff in
die Welt gesetzt. Heute bezweifelt er, dass soziale
Internet-Medien einen signifikanten Effekt auf autoritäre
Regime haben. Warum Iran keine Twitter-Revolution erlebt
hat, erklärt der Blogger und Wissenschaftler von der
Georgetown Universität im Gespräch mit Philip Banse.
Ich suche 400-Euro-Blogger
Blogs als Business.
Sascha Pallenberg lebt in Taipeh und verdient sein Geld
mit Bloggen: Netzbooksnews.com hat vier Angestellte und
Hunderttausende Leser. Pallenberg erklärt, wie sich Blogs
vermarkten lassen und warum noch 400-Euro-Blogger
sucht.
Internet-Demokratie
Watchdog-Journalismus - Vorteile und Risiken.
David Sasaki, Director bei der Non-Profit-Site Global
Voices Online, zeigt Beispiele für Netzprojekte, die für
mehr Transparenz, Partizipation und Demokratie sorgen -
und benennt deren Schwächen.
Wenn der Penis
schrumpft
Jeff Jarvis und der Nutzen von Öffentlichkeit.
Jeff Jarvis, Autor und Journalismus-Professor, schreibt in
seinem Blog offen über seinen Prostata-Krebs, die
Operation und seinen schrumpfenden Penis. In eine deutsche
Sauna zu gehen, findet er befremdlicher. Privatsphäre im
Internet-Zeitalter ist eine Seite. Jeff Jarvis stellt dem
einen \"Value Of Public\" entgegen: den Nutzen, wenn Dinge
öffentlich sind.
Leben im Netzwerk
Markenbildung und Provokation im Internet.
Peter Kruse, Geschäftsführer der nextpractice GmbH und
Honorarprofessor an der Uni Bremen, erklärt, warum
Unternehmen und Parteien so schlecht im Internet zurecht
kommen. Sie haben das Wesen der Netzwerke nicht
verstanden. Dagegen zeigt beispielsweise eine Organisation
wie Greenpeace, wie sie ihre provokanten Aktionen auf die
Logik der Netzwerke übertragen kann.
Geld für
alle
Ex-Pirat Peter Sunde über Flattr.com
Bezahlen für Filme, Spiele und Texte im Netz - ja, wenn
es einfach und gerecht ist. Dafür hat Peter Sunde
Flattr.com entwickelt, ein Netzwerkzeug, das Blogger,
Podcaster und Spiele-Entwickler mit Geld versorgen
könnte. Sunde spricht mit Philip Banse auch über den
Abschied von The Pirate Bay, der Datei-Tausch-Börse, die
Sunde mitgründete und daher verklagt wurde.
Netz
und Neutralität
Datenströme zwischen Markt und Regulierung.
Die Problematik der Netzneutralität umfasst zwei Aspekte:
Beim ersten blockieren Internet Service Provider bestimmte
Inhalte – zumeist aus ökonomischen Gründen. Der zweite
betrifft die Freiheit der Meinungsäußerung. Dr. Simon
Schlauri, Rechtsanwalt und Privatdozent an der
Universität Zürich, erläutert das Thema und dessen
Aktualität. Zudem diskutiert er gesetzlichen
Regelungsbedarf und das Funktionieren der Märkte.
Vom Saulus zum Paulus
Tim Wu über Netzneutralität.
Einst verkaufte er Schnüffel-Technik nach China. Nach und
nach merkte Tim Wu: Telefongesellschaften in den USA
wollen Skype sperren, Kabelfernsehgesellschaften wollten
Youtube blockieren. In den frühen 2000er Jahren hatte er
ein \"Erweckungs-Erlebnis\".
Heute ist Tim Wu Professor an der Columbia Law School und
kämpft dafür, dass alle Daten gleich behandelt werden
und niemand die Netze zensiert.
Polit-Journalismus
im Netz
Für einen öffentlich-rechtlichen Perlentaucher.
Die Landschaft des politischen Journalismus in Deutschland
hält Lorenz Lorenz-Meyer für relativ gesund. Effizienz
und Durchschlagskraft politischer Vermittlungsarbeit
müssten aber gerade im Netz verstärkt werden. Für
einzelne Medienmarken wie die Flaggschiffe des politischen
Print-Journalismus wäre ein solcher Schritt aber sehr
schwierig. Um einen Überblick über das politische
Geschehen und die politische Medienlandschaft zu geben,
sieht er den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk in der
prädestinierten Lage.
Acta zu den Akten
Der Netzaktivist Jérémie Zimmermann.
Jérémie Zimmermann ist einer der bekanntesten
europäischen Netzaktivisten. Gerade kämpft er mit viel
Verve gegen Acta, ein internationales Abkommen, das bisher
geheim verhandelt wird, \"alle Wünsche der Musik- und
Filmindustrie erfüllt und unsere Freiheit bedroht\".
Flaschenöffner drucken
3D-Drucker revolutionieren die Produktion.
Nach der industriellen und der informationellen Revolution
gelten 3D-Drucker als \"Dampfmaschine\" einer neuen
Revolution: Der \"MakerBot\" von Bre Patis kostet nur 800
Dollar - und mit ihm kann jeder Mensch zuhause zahlreiche
Produkte selber herstellen. \"Das wird die Welt der
Produktion revolutionieren.\"
Pakete öffnen
Andreas Bogk über Deep Packet Inspection.
Informationen im Internet werden in Datenpaketen
verschickt. Deep Packet Inspection entspricht dann dem
Vorgang, als würde der Postbote erst in jedes Paket
hineingucken und dann entscheiden, wie schnell er es
weiterleitet, ob er es überhaupt weiterleitet oder ob er
es an die Polizei übergibt. Andreas Bogk, Sprecher des
Chaos Computer Clubs, erklärt Licht- und Schattenseiten
der Technik.
Freiheit braucht Unsicherheit
Miriam Meckel über Privatsphäre im Netz.
Algorithmen sorgen heute schon dafür, dass etwa Amazon
oder iTunes dem User weitere Produkte empfehlen. Auch in
vielen anderen Bereichen besteht die Möglichkeit, die
Ergebnisse solcher Algorithmen als Entscheidungsgrundlage
zu nutzen. Das könnte jedoch zu einer völligen
Vorhersehbarkeit unseres Lebens führen.Miriam Meckel,
Professorin am Institut für Medien- und
Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen,
kritisiert solche Entscheidungs-Automatismen. Allerdings
müsse erst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen
werden, welche Lebensbereiche wir eigentlich
computerisieren. Zudem widerspricht sie Jeff Jarvis und
dessen Vorstellungen von Privatsphäre: Jeder Benutzer
muss Kontrolle über die eigenen Daten haben.
Dicke Bretter 1.0
Netz-Aktivisten scheitern an komplexen Themen.
T: Geert Lovink glaubt, dass politischer Protest im
Internet kaum in der Lage ist, neue und komplexe Themen
über lange Zeit zu bearbeiten.
D: Proteste werden kürzer und heftiger, auch die
Argumente werden extremer. Diese Beschleunigung von
Protest bezeichnet Geert Lovink als sehr wichtig. Daraus
folgt jedoch eine Form von „Mikro-Aktivismus“, den er
als zweischneidig bezeichnet. Lovink glaubt, dass
politischer Protest im Internet kaum in der Lage ist, neue
und komplexe Themen über lange Zeit zu bearbeiten.
Kein Geld für E-Government!
Wie funktioniert politische Teilhabe im Netz?
Bei TechPresident.com und dem Private Democracy Forum
erforscht Micah Sifry, wie Technologie die Politik
beeinflusst und wie politische Partizipation gefördert
werden kann. Staatlich finanzierte Mitmachseiten, sagt er,
sind Geldverschwendung.
Weiterführende
Links:
Direktlink zur Themenschleife „re:publica 2010“:
http://www.dctp.tv/republica-2010/
Philip Banse
hat auf seiner Homepage eine Übersichtsseiten zu den auf
der „re:publica 2010“ geführten Interviews gestaltet
(inklusive Embed-Codes der einzelnen Filme):
http://philipbanse.de/wp/republica-2010-tag-1-2/
http://philipbanse.de/wp/republica-2010-tag-3/



