Imke Arntjen und ihre Mannschaft betreuen in ihrer Datenbank über knapp 8000 Protagonisten – Statisten – Kleindarsteller - Schauspieler. www.030Casting.de ist der Vermittler zwischen den Künstlern und den Auftraggebern aus dem Film- Fernsehen -Werbefilmbereich. Die Direktcastingagentur www.030casting.de wird von den Fernseh- und Filmproduktionsfirmen– Regisseuren - Fotografen- aus den Bereichen Film- Fernsehen - Zeitungen- Werbung regelmäßig besucht und bietet daher die ideale Präsentationsplattform für Künstler.
Es gibt Tage, da fragt sich Imke Arntjen, wie tief das Fernsehen noch sinken kann, wenn die wirtschaftliche Krise anhält. Arntjen ist Geschäftsführerin der Agentur 030Casting in Berlin, sie sucht Kleindarsteller, Schauspieler und Statisten für das Fernsehen. Ob RTL2 eine alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin für den „Frauentausch“ sucht oder Pro Sieben auswanderungswillige Problemfälle für „We are Family“, die 40-Jährige findet für jeden Sendeplatz das passende Schicksal.
Die Geschäfte liefen jedoch schon einmal besser. Nach den TV-Produktionsfirmen hat die Krise nun auch die Casting-Agenturen erfasst. Arntjen sagt, ihr Umsatz sei um 30 Prozent zurückgegangen. Ihre Arbeit werde jetzt immer häufiger von den Produktionsfirmen selber erledigt. „Inzwischen sind an einigen Reality-Formaten etwa 80 Unternehmen als Zulieferer beteiligt“, weiß ihre Kollegin, Ulla Jürgensen, Geschäftsführerin der Kölner Agentur Casting Partner. Diese Firmen böten dem Sender Vorschläge an. Bezahlt werde erst bei Abnahme. Jürgensen fügt hinzu, noch vor drei Jahren hätten ihr die Produktionsfirmen eine eigene Rechercheredaktion bezahlt – ein Videocasting zu Hause bei den Kandidaten inklusive.
Fragt man Imke Arntjen, welche Voraussetzungen Menschen erfüllen müssen, die bereit sind, dem Fernsehen Einblicke in ihr Privatleben zu gewähren, liefert sie wie auf Knopfdruck ein Profil: „Zwei Kinder sind immer gut; wenn möglich, im Alter zwischen drei und vierzehn Jahren. Prekäre Verhältnisse, aber nicht zu prekär. Keine schlechten Zähne.“ Nicht zu vergessen die Bereitschaft, aktiv an der Lösung ihrer Probleme mitzuarbeiten. Schließlich, sagt Arntjen, wären solche Dokusoaps nur halb so erfolgreich, wenn es den Produzenten einzig und allein darum ginge, das Elend der Protagonisten abzubilden. Viel wichtiger sei es, Mut zu verbreiten. „Der Zuschauer soll Licht am Ende des Tunnels sehen.“
Der Wettbewerb um die Ware Mensch, er nimmt inzwischen immer bizarrere Formen an. Es ist noch gar nicht so lange her, da dachte Imke Arntjen, sie sei für beinahe jede Anfrage gewappnet. Ihre Kartei umfasst rund 7800 Adressen, von der Familie mit zehn Kindern bis zum Ex-Junkie, vom arbeitslosen Friseur bis zur Transsexuellen, die als Beruf selbstbewusst „Schauspielerin“ angegeben hat. Imke Arntjen sagt, es passiere jetzt immer häufiger, dass sie Anfragen bekomme, die so schlüpfrig oder schräg seien, dass sie Skrupel habe, sie an ihre Klienten weiterzureichen. Neulich wurde ein Ehepaar mit sexuellen Problemen gesucht. Bedingung: Es sollte bereit sein, sich im Gespräch mit einem Paartherapeuten filmen zu lassen. Der Frau sollte wie zufällig der Satz herausrutschen, sie täusche ihren Orgasmus regelmäßig vor. 150 Euro wollte der Auftraggeber, ein privater Fernsehsender, den Kandidaten dafür zahlen.
An die Stelle der Talkshows ist das Reality-TV getreten. Es ist die Fortsetzung des Krawalltalks mit dokumentarischen Mitteln. Die Casting-Agenturen stellt das vor eine neue Herausforderung. Jetzt, da das Fernsehen auch den letzten Winkel der Privatsphäre seiner Protagonisten ausleuchtet, gehen die Sender dazu über, die Rollen im sogenannten Reality-TV lieber mit Laienschauspielern als mit Selbstdarstellern zu besetzen. Die passenden Drehbücher liefern Autoren. Das spart nicht nur Geld, Zeit, Nerven und Produktionskosten. Es ermöglicht den Regisseuren auch, Szenen zu drehen, von denen sie bislang die Finger ließen, um die Betroffenen zu schützen.
Die Casting-Agenturen haben das Nachsehen. „Früher hat es gereicht, eine 19-Jährige mit Babybauch vor die Kamera zu bekommen. Heute darf die werdende Mutter höchstens 13 Jahre alt sein, geschwängert vom eigenen Vater – und die eigene Familie steht zu dem Inzest“, sagt Arntjen sarkastisch.



