Das wollte ich also hinter uns haben, bevor die
Geschichte richtig losgeht, deswegen fängt der Film so
Knall auf Fall an. Danach kann man sich vielleicht
entspannter zurücklehnen und sehen, was noch passiert
…“
Nachzulesen ist das in den Nürnberger Nachrichten vom
5.9.2008. Es geht um Liebe und Lust im Alter, aber es geht
bei diesen Worten genauso um das Verhalten der Zuschauer.
Dresen richtet sich also klugerweise danach, dass die
Fast-Food-Zeit auch im Bereich Kultur und Kunst
ausgebrochen ist.
Hat wirklich niemand Zeit, die Entwicklung einer
Geschichte abzuwarten? Würde man das auf ein Buch
übertragen, soll dann auf den ersten 50 Seiten künftig
stehen, wer der Mörder ist und wie das mit dem Liebespaar
ausgeht?
Und wer noch ein bisschen Zeit hat, kann ja bei Bedarf die
Geschichte in den restlichen 250 Seiten nachblättern.
Vielleicht ist ein Dinner dabei, oder ein Urlaubstipp. Der
ideale Autor verfährt nach Rezept. Hier ein Skandälchen,
dort ein kleiner Horrortrip, und wenn er ein neues
Feuchtgebiet betreten würde, wäre das für die
Verkaufszahlen genial.
Der bekannten Schriftstellerin Nele Mint stehen dabei die
Haare zu Berge, dass die Kulturschaffenden so gnadenlos
Schmalspur fahren sollen: „So ist es üblich, so
wird’s gemacht. Der Markt diktiert. Wer da nicht das
Passende abliefert, kann sehen, wo er bleibt.“
Zu ihrem neuen Buch „Margania“ erhielt die Autorin
neben vielen positiven Stimmen auch die kritische
Anmerkung, dass sie sehr viel Aufmerksamkeit von den
Lesern verlangt.
Dazu Mint: „Hm, was lesen die Leute denn sonst? Hat man
sich bereits an zu wenig Aufmerksamkeit gewöhnt? Das kann
bloß an der seichten, oberflächlichen Welle liegen, die
uns überschwemmt ...“
Der neue Roman „Margania“ richtet sich an Jugendliche
und Erwachsene, die das ganz große Märchen lieben. Die
den Horrortrip nicht vermissen, und die Lust haben, sich
auf fremde Menschen mit fremd klingenden Namen in fernen
Ländern einzulassen.
„Und ein paar Denkaufgaben dürfen doch mal wieder sein,
oder?“, fragt die Wahl-Rotherin keck. „Dass ein Buch
nicht allen gefallen kann, ist klar. Aber immer nur
Tiefkühlpizza bzw. amerikanische Bestseller – wer mag
das schon. Würden nicht die kleinen Verlage wie
Wiesenburg und Spirit Rainbow auch Autoren abseits des
Mainstreams eine Chance geben, wäre die Vielfalt beim
Buchangebot bald gänzlich dahin.“
Die engagierte Autorin sagt weiter: „Die Kleinverlage
drucken nicht billig im Ausland, wagen Experimente und
sind die wahren Helden im Buchgeschäft! Leute, kauft bei
Kleinverlagen, sonst wird Euch bald das Fertigbuch
serviert.“
Angeblich gibt es schon Computerprogramme, die die guten
und bösen Helden für den Autor anlegen, weiß Nele Mint
zu berichten. „Demnach ist es nur eine Frage der Zeit,
bis das perfekte Buch aus dem Computer kommt, das
selbstverständlich auf umfangreichen Marktanalysen
basiert und alle Bedürfnisse des analysierten Lesers
abdeckt. Der ideale Autor besteht im Jahr 2050 aus ein
paar Nanochips, wird sich von Solarstrom ernähren und
keine eigene Meinung haben …“
„Mensch, wo bist du hingeraten?“, fragt sich im
Gespräch mit der Verlegerin Gudrun Anders die Rother
Autorin Nele Mint, die meint, sie sei eine aus der letzten
‚echten’ Schriftstellergeneration.
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Weiterführende Informationen:
Autorenportrait
Nele Mint
http://www.spirit-rainbow-verlag.net/index.php?content=aut
oren&id=152
Buchvorstellung „Margania“:
http://www.spirit-rainbow-verlag.net/index.php?content=pro
gramm&id=180



